Sonntag, 22. August 2010

Knigge-Rat veröffentlicht Benimmregeln für Facebook und Co.

Darauf hat die Web-Welt gewartet: Der Knigge-Rat in Bonn hat sich vorgenommen, den kommunikativen Unsitten der sozialen Netzwerke endlich verbindliche Höflichkeitsregeln für die digitale Kommunikation entgegen zu stellen. Schließlich, erklärt Rainer Wälde, Leiter des Deutschen Knigge-Rats, auf der Web-Seite des Anstandsgremiums, übernähmen ja gerade die sozialen Netzwerke im Web für den postmodernen Menschen "die Funktion der Dorflinde, unter der sich früher die Bewohner zum täglichen Austausch getroffen haben."

Ein schönes, treffendes Bild: Da wurde dann ja auch nicht geflucht und geduzt und gezetert an der Grenze zur Strafbarkeit. Nein, anständige Menschen pflegten seit Höhlenzeiten stets Umgangsformen, die das Zusammenleben größerer Gruppen erst ermöglichten.

Sowas, hatte in einem Interview mit der "Welt" kürzlich auch Ilse Aigner, Ministerin für Verbraucher, Landwirtschaft und zunehmend auch Internet, gefordert, brauche auch eben dieses Web, diese moderne Höhle: "Einen Ehrenkodex, eine Art Knigge für das Internet, zehn goldene Regeln - kurz, knapp und klar."

Was nicht ganz geklappt hat, obwohl der Knigge-Rat die ministerielle Steilvorlage natürlich gern aufnahm: Am Ende kamen zwar zehn Gebote dabei heraus, die aber mussten noch durch zwei Zusatz-Regeln für das Geschäftsleben ergänzt werden. Das ist immerhin deutlich konziser, wenn auch weniger umfassend als die 101 Leitlinien für die digitale Welt, die die Creation Centers der Telekom Laboratories Ende Juni vorstellten. Die enthalten dann aber auch wirklich nützliche Kleinodien wie "Nur R2D2 darf eine Beziehung digital beenden".

Und so liest sich das beim deutschen Knigge-Rat:

1. Wählen Sie Ihre favorisierten Netzwerke sorgsam aus.
2. Bleiben Sie authentisch.
3. Meiden Sie plumpe Vertraulichkeiten.
4. Lehnen Sie unerwünschte Anfragen ab.
5. Belästigen Sie Ihre Kontakte nicht.
6. Bleiben Sie freundlich.
7. Reagieren Sie humorvoll.
8. Halten Sie den Dialog lebendig.
9. Behalten Sie den Weitblick.
10. Schließen Sie trolle aus.

Mit Anmerkungen und Erläuterungen hier nachzulesen.

Infos von Spiegel online - Nachrichten.

Sonntag, 18. Juli 2010

Persönlichkeitsrechte gelten auch im Netz

Wer im Internet verunglimpft wird, kann sich wehren. Schwierig wird es, wenn der Server im Ausland steht - und das Opfer den Täter nicht kennt. Ein Interview mit Medienrechts-Anwalt Tobias H. Strömer geführt von Doris Amseln.



Doris Amseln: Herr Strömer, wo beginnt Mobbing im Internet?

Tobias H. Strömer
: Ob sich jemand gemobbt fühlt, ist natürlich subjektiv. Was man sich auch im Internet nicht gefallen lassen muss, ist Verleumdung, die Verletzung von Persönlichkeitsrechten und die Verletzung des Rechts am eigenen Bild.

Doris Amseln
: Welche Möglichkeiten haben Opfer, sich zu wehren?

Strömer
: Das hängt vor allem davon ab, ob man den Täter kennt oder nicht. Das Internet ist ja ein ziemlich anonymes Medium. Wenn ein unbekannter Täter jemanden auf einer ausländischen Domain verleumdet, deren Server auch noch im Ausland steht, hat das Opfer gar keine Möglichkeit, sich zu wehren. Das ist zum Beispiel bei YouTube der Fall. Wenn das Opfer den Täter kennt und die Videos oder Bilder auf einer de-Domain stehen, muss man im Prinzip gar nicht von Mobbing reden. Es reicht zum Beispiel schon, mit einer Bildaufnahme nicht einverstanden gewesen zu sein. Bei Handyvideos, in denen Lehrer verunglimpft werden, ist das sicherlich der Fall.

Doris Amseln
: Welche rechtliche Handhabe hat das Opfer dann? Wie sollte man vorgehen?

Strömer
: Als ersten Schritt kann man dem Täter eine Abmahnung schreiben, ihm mitteilen, welche Rechte er verletzt hat, und ihn zur Abgabe einer strafbewehrten Unterlassungserklärung auffordern. Wenn das nicht hilft, ist eine zivilrechtliche Klage auf Schadenersatz meistens sinnvoller als der strafrechtliche Weg, denn solche Verfahren werden oft schnell eingestellt.

Doris Amseln
: Welche Schadenersatzansprüche drohen den Tätern?

Strömer
: Das können Forderungen zwischen 2500 und 15.000 Euro sein. Eine Frau, deren Kopf digital auf eine Nacktaufnahme montiert wurde, erstritt 9000 Euro Schadenersatz. Sind Schüler die Täter, ist immer die Frage, ob sie überhaupt haftbar sind. Kinder ab sieben Jahren sind eingeschränkt deliktfähig und haften auf Schadenersatz. Das setzt allerdings voraus, dass der Täter das Unrecht seiner Tat überhaupt versteht. Vielen Jugendlichen ist nicht klar, dass auch im Internet nicht alles erlaubt ist. Hier muss die Medienpädagogik ansetzen, das ist auch aus juristischer Sicht wichtig.

Doris Amseln
: Abgesehen von mehr Aufklärung der Schüler: Brauchen wir in Deutschland spezielle Gesetze gegen Diffamierungen im Internet?


Strömer
: Von solchen Forderungen halte ich nichts. Die bestehenden Gesetze zum Schutz der Persönlichkeitsrechte gelten auch, wenn die Beleidigungen und Diffamierungen im Internet geschehen. Auch der neue Stalkingparagraf gilt im Internet. Wer jemandem also online immer wieder nachstellt oder ihn bedroht, macht sich strafbar. Bloß muss man diese Gesetze eben auch anwenden.
Tobias H. Strömer ist Fachanwalt für gewerblichen Rechtsschutz und vertritt vor Gericht häufig Mandanten, die ihr Persönlichkeitsrecht im Internet verletzt sehen.
Das Interview wurde für die ZEIT online geführt.

Sonntag, 27. Juni 2010

Ein Mobbingtagebuch ...


... sollte jeder/jede Mobbingbetroffene führen. So ein Mobbingtagebuch wirklich regelmäßig und detailliert zu führen, macht sicherlich Arbeit und erfordert Disziplin. Allerdings erfüllt es wichtige Funktionen: es dient der Beweissicherung. Alle Vorkommnisse werden aufgelistet, Zusammenhänge können ersichtlich werden, Richter/innen, Rechtsanwälte/innen, Ärzte/innen, Unternehmen etc. können schwarz auf weiß nachlesen, was genau sich wie zugetragen hat, ferner hilft es bei der persönlichen Bewältigung.

Am besten man benutzt dafür einen dicken Kalender, in den man jeden Tag seine Einträge macht. Auch wenn nichts passiert ist, schreibt man "Nichts passiert" als Notiz. Wenn der Mobber im Urlaub ist oder man selbst einen freien Tag hatte, sollte es vermerkt werden, damit eine Lücke erklärt werden kann. Auch Telefonanrufe und deren Inhalt aufschreiben.


Welche Informationen sollte ich aufschreiben in meinem Mobbingtagebuch:

- Datum und Uhrzeit
- Was genau ist passiert? Handlung beschreiben. Wer hat die Handlung durchgeführt.
- Wer war anwesend? (eventuelle Zeugen)
- Wie habe ich mich gefühlt?

Auch beim Cyber-Bullying ist die Dokumentation wichtig. Also z.B. Screenshots von beleidigenden Kommentaren machen und Mails speichern.

Weitere Infos bei "Mobbing-Hilfe-Recht"

Dienstag, 15. Juni 2010

Blogettes berichtet

Mirjam von chic & schlau hat mich für die "Blogettes" über "Bloger against Mobbing" interviewed.
Mein Eindruck ist, dass sie eher der Meinung ist, dass diese Aktion zu viel Aufmerksamkeit für die anonymen Kommentatoren sei. Ich sehe diesen Blog als erste Anlaufstelle für Betroffene und als Plattform für einen Austausch an Informationen für Interessierte. Also Aufmerksamkeit für Betroffene!
Screenshots vom Bericht habe ich gemacht. Wenn Ihr auf die Bilder klickt, werden sie größer.
Ich würde mich über eine kleine Rückmeldung sehr freuen.


Wer die neue farbenfrohe Ausgabe der "Blogettes" lesen möchte, tue das bitte hier.

Montag, 14. Juni 2010

Foren-Diskussion

Ich bin auf eine interessante Diskussion im FanFiction-Forum gestoßen.

Der Foren-Operator "DawiL Danger" hat folgenden Beitrag geschrieben und hoffte auf Diskussionsbedarf:

"Hallo ihr lieben, hier mal wieder einer meiner Threads ... aber zu einem ernsten Thema.
Keine Sorge, ich will hier kein Exempel oder sonst etwas statuieren, sondern es geht generell um das Thema "Mobbing im Internet". Aufmerksam wurde ich darauf, da ich in letzter Zeit gerne mal durch Fashionbloggs stöbere ...

Nun ja, was man dann dort als Kommentare lesen durfte war langsam echt nicht mehr feierlich.
Gut, ich finde auch nicht alles toll, was diese Bloggerin tut, aber deswegen würde ich ihr trotzdem nicht Dinge schreiben wie dass ihr Gesicht hässlich sei usw.
Ganz offen, nachdem es sogar schon eine Initiative gibt, die sich gegen Beschimpfungen in Bloggkommentaren richtet, denke ich doch, dass es ein Thema ist, über das man nachdenken sollte.

Was mich vor allem interessieren würde ist, wie man überhaupt auf so etwas kommt?
Ist es die Anonymität des Internets, wo man sich groß fühlen kann, wenn man einen völlig unbekannten Menschen anonym bloßstellen oder beschimpfen kann? Oder ist es generell ein Verfall der Gesellschaft, der hier in diversen Threads schon ausschweifend diskutiert wurde?

Das hier hängt sich praktisch an die Sache mit den fiesen Youtubekommentaren an, die bereits in einem anderen Thread diskutiert werden: Wer kennt sie nicht, die "du bist hässlich"s unter den Schminktutorials, das "alle Deutschen sind Nazis" unter Rammsteinvideos ... die ganze Palette eben.

Auch auf FF.de konnte man in Form von Flames schon so einige Nettigkeiten lesen, daher frage ich mich ganz offen, wieso und warum ein Mensch so etwas tut?

Anhängend gäbe es noch ein weiteres Thema, nämlich die andere Form des Internetmobbings, nämlich das Geläster über Abwesende - sei es ein Lehrer, ein unbeliebter Mitschüler, ein Kollege, eine Ex-Freundin ...
Das finde ich ebenso hinterhältig wie den anderen Kram - es ist eine Sache, wenn man mit jemandem mal über jemanden tratscht, aber eine andere, wenn es für immer im Internet festgehalten wird.

Falls es anderen Usern ähnlich gehen sollte und der erhoffte Diskussionsbedarf da ist, freue ich mich schon auf Diskussionen und Meinungsaustausch.


Wer die Diskussion verfolgen oder sich beteiligen möchte schaue bitte in diesem Forum nach.

Sonntag, 13. Juni 2010

Handlungsanleitung


Oft sind Lehrer mit dem Problem "Mobbing/Bullying" und "Cyber-Bullying" überfordert, oder erkennen das Problem nicht. Die Stadt Bremen hat eine "Handlungsanleitung für Lehrer zu Mobbing und Cyberbullying" herausgegeben, die man sich auf Mobbing-Web anschauen und herunterladen kann.

Die Broschüre soll für das Problem Mobbing unter Schülern sensibilisieren und rechtliche Möglichkeiten und Wege aus der Gewaltspirale aufzeigen. "Bullying hat schwere Folgen für die Opfer, deshalb müssen die Lehrer handeln" sagt der Psychologie-Professor Herbert Scheithauer von der Freien Universität Berlin.

Freitag, 11. Juni 2010

Der ultimative Mobbingtest

Gefunden bei time4teen:


Mit dem Mobbingtest kannst du herausfinden, ob du bereits gemobbt wirst. Notiere dir einfach deine Punkte, addiere sie und schau nach, was dabei herauskommt.

1.Deine Möglichkeiten, sich frei zu äußern sind stark eingeschränkt.20 P.
2.Du gehörst einer anderen Nationalität oder Religion an, als die meisten anderen in deiner Klasse.15 P.
3.Du wirst von deinen Mitschülern nie privat eingeladen.5 P.
4.Du wirst mit Telefonterror belästigt.20 P.
5.Die Mitschüler verstummen, wenn du den Raum betrittst.10 P.
6.Man lacht über dich.10 P.
7.Man spricht nicht mehr mit dir.20 P.
8.Du wirst ständig kritisiert.15 P.
9.Man verbreitet Gerüchte über dich.15 P.
10.Man greift deine persönliche Meinung an.10 P.
11.Du bist sexuellen Belästigungen verbal oder tätlich ausgesetzt.20 P.
12.Man zwingt dich Dinge zu tun, die dein Selbstbewusstsein verletzen.20 P.
13.Man stellt deine Entscheidungen in Frage.10 P.
14.Man imitiert dich, deinen Gang, deine Stimme, dein Lachen.20 P.
15.Man gibt dir Aufgaben, die deine Möglichkeiten übersteigen.10 P.
16.Man verdächtigt dich, psychisch krank zu sein.15 P.
17.Du hast keine Freude mehr an deiner Arbeit.15 P.
18.Du warst in letzter Zeit öfter krank.15 P.
19.Du warst in letzter Zeit öfter gereizt.10 P.
20.Du gehst nicht zu Klassenfesten oder sonstigen freiwilligen Veranstaltungen der Schule.10 P.
21.Dir wurde schon einmal körperliche Gewalt angedroht.15 P.
22.Deine persönlichen Dinge werden beschädigt (Schulranzen, Bücher, Mäppchen,...).10 P.
23.Du gehst weniger aus als früher.10 P.
24.Mitschüler werden gegen dich aufgestachelt.20 P.
25.Man macht Witze auf deine Kosten.20 P.
26.Mitschüler, zu denen du früher engeren Kontakt hattest, ziehen sich zurück.15 P.
27.Du leidest unter Schlafstörungen.10 P.


Die Lösungen findest Du hier bei time4teen.